Sauti Za Busara
Sauti Za Busara
Es ist Dienstag, morgens um acht und Martin ist in Kampala, in der Hoffnung sein Workpermit im immigrationoffice ausgestellt zu bekommen.
Mir ist schon jetzt heiß und wir wissen immer noch nicht, ob wir heute schon, oder erst morgen, wenn unser Urlaub offiziell anfängt, fahren sollen.
Heute hat meine Schule viel vor: Die Themen und Verhaltensregeln, „Life Skills“ genannt, welche eine Gruppe von Australiern den Lehrern der Schule vor einer Woche beigebracht haben, sollen nun von den Lehrern an die Schüler weiter gegeben werden. Meine Abteilung ist nach dem Mittagessen dran und soll für zwei Stunden einen Raum stellen.
Der Knoten ist geplatzt! Als ich meine Chefin frage, welche Vorbereitungen getroffen werden sollten reicht es mir. Mir war schon ungefähr bewusst, wie die Antwort aussehen würde, trotzdem hoffte ich auf eine andere. „Nichts“ war es nämlich das ich heute früh zu hören bekam. Es sei die bessere Idee zu warten, bis die Schüler vor der Tür stehen, um dann für genügend Stühle und Tische zu sorgen. Es sind ja auch nur knapp 300 Schüler…
Sei es denn nicht besser im Voraus zu planen und zu organisieren, schließlich verlieren wir auf diese Art und Weise knapp eine halbe Stunde? fragte ich meine Kollegen und traf damit auf eine glupschäugige Antwort. Mit staunenden Blicken wurde mir klar gemacht, dass es nicht gewünscht war sich zeitig auf dieses Ereignis vorzubereiten.
Nun frage ich mich überhaupt, was diese Menschen wollen. Zuerst wurden die Angebote mit überragender Freude begrüßt und angenommen. Alle beteiligten Lehrer hatten sehr viel Spaß beim „lernen“. Doch nun, wenn es an den eigentlichen Teil des Trainings geht, besteht die Motivation aus einer Blase heißer Luft. Sie steigt auf, verteilt sich und ist verschwunden. Und diesmal ist der Klimawandel nicht für die heiße Luft verantwortlich.
Nunja denk ich mir. Meinetwegen kann man das ja so machen, allerdings möchte ich kein Teil des Ganzen sein. Ich möchte nicht als ein Teil des Teams, und somit als ein Teil der nicht vorhandenen Vorbereitung sein. Deswegen heißt es heute schon, ca. um 11 Uhr „Sauti za Busara“!
Ich ruf‘ Martin an, der hat sich sein Arbeitsvisum eingetütet und rast schon wieder nach Jinja und ich mache mich auf den Weg nach Hause. Dort angekommen packe ich meinen Rucksack schnell fertig, vor allem soll hier das frisch gekaufte Zelt erwähnt sein, welches wir auf Zanzibar einweihen wollen. Kurze Zeit nachdem ich fertig gepackt habe kommt auch Martin an. Wir beide schnappen uns unsere Rucksäcke und auf geht es. Die Reise beginnt, wir stehen bei Kilometer Null, vor uns noch 3543.
Wie üblich benutzen wir hier als Fortbewegungsmittel die allseits bekannten Taxis, welche aus uralten und sehr schlecht gewarteten Minibussen bestehen. Unser erstes Ziel wird Busia sein, die Grenzstadt zu Kenya, an der sich der größte Ugandische Grenzposten zu Kenya befindet.
Wir steigen also am Taxipark in das erstbeste Taxi Richtung Busia ein und sind optimistisch und energetisch. Allerdings schiebt uns die Ugandische Gemütlichkeit einen Puffer von einer Stunde ein – solange hat es gedauert, bis das Taxi voll war, und der Fahrer aufgegessen hatte.
Nach der gemütlichen drei stündigen Fahrt erreichen wir also Busia und sind gespannt, ob sich die gehörten Gerüchte, welche besagen, dass man mit einer Ugandischen Arbeitsgenehmigung frei in Ostafrika reisen könne, bewahrheiten. Tja und was bleibt mehr zu sagen, als dass der nette Herr Zollbeamte schon ziemlich stark auf unsere Brieftaschen schielte und es mit einem geschickten telepathischen Trick schaffte uns um je 50$ zu erleichtern. Im Endeffekt erwies er uns damit auch einen Gefallen, schließlich braucht man sich um nichts sorgen machen, das man nicht hat.
Auf Kenyanischem Boden angekommen, stellen wir zuerst keinerlei großen Unterschiede fest. Zwar gibt es keinen Müll, der rumliegt, doch sieht hier alles sehr ähnlich aus, und die Menschen verhalten sich gleich. Der erste Schock erteilte uns dann bei der Taxiauswahl. Wer denkt in Uganda schlechte Taxis zu finden, wird sich wundern, dass in einem recht weit entwickelten Land, wie Kenya wirkliche Müllkübel rumfahren. Die B-Säule war mehrfach geschweißt und knarzte bedrohlich, als der Fahrer auf dem Dach eine Steppeinlage aufführte um das Gepäck fest zu zurren. Merkwürdig war es auch zu sehen, dass die Menschen im Zwischengang auf Brettern sitzen mussten und der Geldeinsammler, auch Conductor genannt, außerhalb des Taxis steht und sich am Dach festhält. Im Übrigen die gesamte Fahrt von vier Stunden.
Nebenbei gesagt war unser Etappenziel Kisumu nicht mehr weit. Dort winkte uns Carl, ein weiterer Artefact-Freiwilliger, warmes Essen, Soda und ein Bett. Ob sich unsere Erwartungen erfüllen werden wir später sehen zunächst einmal sei geschrieben, dass die Kenyanische Mentlität schon recht anders ist. Auf der Fahrt habe ich mehrfach versucht Gespräche anzuknüpfen, und es viel mir auf, dass sich die Menschen, zumindest in dieser Fahrt auf ungewollte Gespräche nicht einlassen und wenn sie es tun andere Gesprächspartner sind, als die Ugander. Hier wird einem offen die Meinung gesagt, das obligatorische rumgefloskel fällt weg und die Antworten sind oft direkter. Es scheint mir so, dass Antworten so gesagt werden, wie sie auch gemeint sind. Es wird hier anscheinend weniger zwischen den Zeilen gelesen und auch weniger durch die Blume gesprochen, was einem Europäer, Deutschen oder was auch immer wohl gefallen wird. Allerdings muss man sagen sind die Kenyaner – wie gesagt eben jene, welche ich dort kennen lernte – weniger charmant angenehm. Mir fehlt ein wenig die übertriebene Höflichkeit und Freundlichkeit, welche den afrikanischen Alltag so entspannt und angenehm gestalten kann.
Nach weiteren drei oder vier Stunden, genau weiß ich es nicht mehr, allerdings schon lange im Dunkeln kommen wir in Kisumu an. Diese Stadt entpuppt sich als eine recht moderne und große Stadt, sogar mit Flughafen, Carls Wohnort befindet sich allerdings in einer ganz normalen Bretterbudenansammlung, welche man bei uns Slum nennt, hier wird das Ganze Zu Hause genannt. Also endlich angekommen verspüren wir einen unglaublichen Hunger, denn von den Kleinigkeiten unterwegs ist man nicht lange satt. Wir flakken also erst einmal unsere Sachen in Carls Haus und rufen uns dann draußen ein Tuck-Tuck, welches im Prinzip eine dreirädrige Mottoradrikscha ist. Die Fahrt mit diesem Gefährt ist die ersten Male noch lustig, nach einigen Stunden darin wird einem auffallen, wie hubbelig Kenyas Straßen sind und wie ungeil es doch ist keinerlei Federung in Fahrzeuge „einzubauen“. Oder bzw. es zu lassen J
Wir finden uns also in einem Kenyanischen Restaurant wieder, welches Carl, wie er uns mehrfach versichert, nicht frequentieren würde, da es zu schäbig sei. Wir allerdings Martin und ich, sind überrascht von der guten Qualität des Restaurants. Es gibt Tischdecken, Blumen, eingewickeltes Besteck, keine Plastikteller, ordentliche Metallstühle. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Tischdecken! Welch ein Luxus.
Voll gestopft mit Sandwich und Saft (frisch gepresster übrigens, von sowas von prall-reifen Früchten – müsste verboten sein J ) geht es wieder mit den lustigen Gefährten nach Hause und dann hoffentlich endlich ins Bett, schließlich müssen wir um 5 Uhr morgens aufstehen, um den Bus pünktlich zu bekommen und vorher Tickets zu besorgen. Ich blase mir also meine mitgenommene Luftmatratze auf und lege mich zur Nachtruhe, aber nichts da. Ich muss sagen diese Nacht war mit Abstand die unangenehmste meines bisherigen Aufenthaltes. Ich wurde verfolgt, umstellt und fertig gemacht von einer Armada blutsaugender Fleischfresser, von bestialischen Monstern unbeschreiblicher Brutalität. Kurzum ich wurde von den Kenyanischen Moskitos totgenagelt.
Frisch ausgeschlafen, ohne Kaffee und mit einem Frischen „Moin“, der Augenringe aus dem Spiegel ging es dann frohen Mutes hinaus in die dunkle Kenyanische Nacht. Carl begleitete uns, da er sowieso in die Stadt musste, um einige Erledigungen zu machen, und zeigte uns einen guten Frühstücksladen in der Nähe des Busparks. Unsere Reisegesellschaft hieß Guardian und stellte sich als angenehm hochwertig heraus. Der Bus war 1-A in Schuss, das Personal sehr freundlich und es gab sehr viel Beinfreiheit im Bus.
Da der Bus nur eine Stunde zu spät war haben wir uns beeilt noch schnell alles wichtige zu erledigen, so haben wir uns auch nicht viel Zeit genommen mit dem Gestank auf dem Klo zu ringen und noch alles so zu packen, dass es im Bus schnell erreichbar ist.
Also Leute ich kann euch sagen, die zweite Etappe, von Kisumu nach Nairobi kann beginnen.
Eine Selbstevaluation
Eine Selbstevaluation
In dem zweiten Bericht geht es um eine Selbstevaluation. Das bedeutet also, dass ich mich kritisch vor allem mit mir auseinander setzen muss und kann. Es geht darum zu schauen, wo ich im Bezug auf Partner- und Entsendeorganisation, Kultur, Menschen, Alltag und Arbeit stehe. Und vor allem: Wo stehe ich im Bezug auf mich selbst?
Es geht um die Analyse und Bewertung meines Daseins in Uganda, meiner persönlichen Entwicklung, der Entwicklung in meinem Projekt und auch um das Verhältnis zum Heimatland, als auch um PO und EO.
Damit ich dies verstehe muss ich mir erst ein Mal darüber klar werden, wie ich meinen Aufenthalt hier am Anfang gesehen habe und welche Sichtweise ich nun mittlerweile, eventuell sogar unbewusst, angenommen habe. Dadurch wird es mir hoffentlich möglich eine Entwicklung zu erkennen und möglicherweise festzustellen, wohin die Reise führt.
In der Anfangszeit an in meiner Organisation habe ich es mir zur Devise gemacht, mich zurück zu halten, viel aufzunehmen und erst einmal die Gewohnheiten der Schüler, als auch der Lehrer zu sehen und hoffentlich zu verstehen. Es war ein Anliegen von mir das Thema Unterricht ruhig und koordiniert anzugehen, so habe ich in viele unterschiedliche Bereiche der Schule reingeschaut, um Methoden, Herangehensweisen, Erfolgs- und Misserfolgsmodelle heraus zu finden und mir über mein eigenes Konzept klar zu werden.
In den ersten Tagen bestand mein Sachanliegen darin, ein umfassendes Bild des Unterrichts zu gewinnen. Das bedeutete und bedeutet für mich immer noch zu verstehen, welche Leistungen die Lehrerschaft bringt, welche Angebote sie an die Schüler macht und welche Ziele sie verfolgt. Gleichzeitig habe ich mich daran gemacht in Gesprächen und durch Beobachtung festzustellen, welche Bedürfnisse die Schüler haben, welches Niveau ich bedienen kann und was die Schüler überhaupt verwenden können.
Bei vielen, meistens eigentlich allen diesen Beobachtungsmomenten kam es vor, dass ich in meiner Gefühlswelt, einem Blatt im Herbststurm gleich, durchwühlt wurde. Viele Situationen verstand ich nicht, waren mir fremd und oft auch unangenehm.
So ist es an meinem Lehrinstitut Gang und Gebe, dass ein Schüler einem Lehrer „zu Diensten“ zu sein hat. Schüler werden dafür benutzt, Erledigungen zu besorgen, hinter den Lehrern aufzuräumen und dabei auch noch ein möglichst devotes Auftreten an den Tag zu legen. Dies steht in einem diametralen Kontrast zu den Werten, welche ich gerne vertreten möchte. Ich empfinde dieses Verhalten von Seiten der Lehrer, der Erwachsenen, welche eine gute Ausbildung durchlaufen haben, und somit in der Lage sein sollten, selbstständig zu reflektieren, als überaus kindisch und unreif. Nichts desto weniger kann ich den kulturellen Hintergrund verstehen, da dieses Verhalten einen Akt der Höflichkeit wiederspiegelt, da der Schüler dem Lehrer dafür dankt, dass Wissen vermittelt wird.
In Situationen, wie diesen war und ist meine Gefühlswelt nicht immer klar. Auf der einen Seite werde ich von einer tiefen Ohnmacht ausgefüllt, da solche Rollenideale einer anderen Gesellschaft und Kultur von einem Außenstehenden zunächst einmal akzeptiert werden müssen, um diese zu verstehen. Gleichzeitig war ich auch stark überrascht, da es sich für mich anfangs so dargestellt hat, als wäre ein erwachsener Mensch nicht fähig ist für sich selbst zu sorgen.
Dennoch war ich stets bemüht Zeichen zu verstehen, die sich zeigen, zu sehen, dass hinter jeden mehr ist als sich offenbart. Ich habe es als ein Bedürfnis für mich deklariert, mich hier in Uganda zu verändern und trotzdem noch „ich selbst“ zu bleiben, zu dem zu stehen, was ich sage und auch durch meine Handlung „meinen“ Faden zu verfolgen.
Land und Leute kennen zu lernen, war mir ein inneres Bedürfnis und so habe ich mir vorgenommen möglichst offen und unvoreingenommen auf Mitmenschen in meiner Umgebung einzugehen, was oftmals dazu geführt hat, dass ich um Preise betrogen, in Verabredungen versetzt und in Arbeitszusammenhängen enttäuscht wurde. Manche dieser Geschehnisse sind für mich nachvollziehbar, wiederum andere kann ich nicht verstehen und das führt manch ein Mal zu Frust und Interessenlosigkeit gegenüber einigen Projekten. Immer wieder von meinen Kollegen sitzen gelassen zu werden und in Entscheidungsprozesse nicht eingebunden zu werden sagt mir, dass meine Kollegen den Eindruck haben, mir ihre Arbeit überlassen zu können und ich habe den Eindruck, sie trauen mir zu, ihren Unterricht zu führen. Das ist einerseits schön zu sehen, andererseits ist dies eine Umgangsform, welche ich nicht schätze und als unangenehm empfinde. Ich fühle, dass kein wirklicher Teamgeist herrscht, jeder kämpft auf seiner eigenen Baustelle und versucht den Tag rum zu bekommen. Die meisten Gespräche außerhalb des Unterrichts drehen sich um Probleme des Alltags, nicht darum die Unterrichtssituation zu verbessern.
Die Beziehung zu meinen Arbeitskollegen empfinde ich als freundlich und zumeist auch witzig, darüber hinaus allerdings nicht als wirklich tiefgehend. Ich werde wohl als eine Art freiwilliger, evtl. auch kostenloser zusätzlicher Arbeitskraft angesehen, der man ungefragt jegliche Form von Arbeit zuschieben kann. Gleichzeitig werden mir sehr viele Freiheiten eingeräumt.
So hat es sich mit der Zeit ergeben, dass ich in der Schülerschaft mein Hauptinteresse sehe. Viele Schüler sind interessiert an mir und meiner Geschichte, an dem Hintergrund und meiner Motivation. Ich kann mich für die Schülerschaft begeistern, wenn ich sehe, wie sie sich motivieren lässt und mich auch außerhalb des Unterrichts nach Aufgaben und den folgenden Stunden fragt. Meine Motivation ist es den Schülern eine bessere Unterrichtsqualität zu bieten, unter anderem durch mehr Computer und einen verbesserten Unterrichtsinhalt.
Gleichzeitig hat dies wohl auch unbewusst dazu geführt, dass ich eher auf der „Seite der Schüler“ stehe. Dies ist eine Entwicklung, welche mir selbst nicht unbedingt zuträglich ist, da ich bemüht bin einen Ausgleich zwischen Lehrerrolle und Lernrolle zu finden. Einerseits bin ich hier mit dem Auftrag eines Lehrers gekommen. Ich muss eine gewisse Distanz zwischen mir und Schülerschaft halten, gleichzeitig definiert sich Weltwärts darüber ein Lerndienst zu sein und ich bin hier selber Schüler. Schüler einer anderen Kultur, eines anderen Miteinanders. Diese meist diametral gegenüber stehenden Gegensätze irgendwie kohärent mit ein andere zu verbinden ist eine alltägliche Aufgabe, welche mich immer wieder vor neue, kleine Herausforderungen gestellt hat und auch stellen wird. Doch mit jedem Tag lerne ich dazu und ich fühle mich gestärkt diesen Herausforderungen entgegenzutreten.
Mein Gemütszustand hat in den letzten vier Monaten prinzipiell zwei Phasen durchgemacht, welche selbst immer kleinen Schwankungen unterlagen.
Zuerst, bis zur Ausreise meines ehemaligen Mitbewohners, empfand ich die Zeit hier in Jinja als sehr angenehm. Ich hatte ab und an mit mir selbst zu hadern, dennoch war mir die Zeit sehr angenehm. Ich empfand es als ein schönes Gefühl, dass es mir möglich war an jedem Tag in der Woche meine Aufgaben suchen zu können. Ob ich unterrichten wollte, oder mich um die Reparatur beschädigter Computer kümmern wollte, oder aber einfach nur die Schule mit ihren Schülern und Lehrkörpern entdecken wollte, dies alles war mir uneingeschränkt möglich.
Grundsätzlich gesprochen habe ich mich auf jeden Tag der Woche gefreut und ich wusste genau, dass jeder Tag seine eigenen, neuen Spannungen und Besonderheiten für mich bereithielt. Oft genug musste ich mich kleinen und größeren Herausforderungen stellen, um in meinen Bestrebungen weiter zu kommen. Ich wollte „gute“ und „schlechte“ Lehrer finden, die Strukturen in der Schule verstehen und Ansprechpartner für die verschiedensten Themen herausfinden. Kurz gesagt, ich war mit meinem Alltag zufrieden. Zwar gab es immer wieder kleinere und größere Rückschläge, dennoch hatte ich das Gefühl positiv in den Tag gehen zu können.
Die Zeit nach der Abreise von Nils empfand ich als schwer zu begreifen und für meine Gefühlswelt sehr aufreibend. Auch wenn dies bisher meine schwerste Zeit hier in Uganda war, war sie dennoch sehr lehrreich.
Nachdem Nils ausgereist war, konnte ich mich schwerlich für die Aufgaben und Freiheiten meines Alltags motivieren. Ich empfand mich die meiste Zeit als Lustlos und unmotiviert. Selbst für die Sachen, welche ich im Regelfall alleine gemacht habe konnte ich mich nicht aufraffen. Ich hatte das Gefühl, dass die meisten Tätigkeiten zu zweit einfach mehr Spaß und alleine keinen Spaß machen. Dass ich in meinem Zu Hause alleine einfach verloren gehe. Jeden Tag, an dem ich nach Hause kam, wusste ich, dass ich auf niemanden warten brauche, da es niemanden gab, der auch nach Hause kommt. Ich konnte auch auf niemanden warten.
Ich war mir auch der Heftigkeit dieser Gefühle nicht bewusst. In der Zeit, in der Nils sich entschied auszureisen, habe ich mich ausschließlich auf Nils Gefühle und bedenken konzentriert und hatte keine Minute mir darüber bewusst zu werden, was dies alles für mich bedeutet. So passierte es, dass mich diese Empfindungen am Folgetag der Ausreise überwältigten und ich erst einmal einige Tage zum ergründen dieser Gefühle benötigte.
In dieser Zeit habe ich gelernt für mich Ziele und Bedürfnisse zu definieren und diese auch für mich zu verlangen. Ich habe gelernt zu sagen, was mein Begehr ist, was mich plagt, auch wenn es schwer ist, da dies meist tief sitzt und schmerzt. Ich habe für mich herausgefunden, dass ich zumindest hier in Uganda nicht alleine leben möchte. Ich empfinde es als befreiend zuzugeben, dass ich zumindest jetzt, für einen solchen Schritt nicht bereit bin und mich dessen auch nicht aussetzen möchte. Ich empfand dies nicht als Schwäche, sondern eher als Stärke dies zuzugeben.
Durch den Besuch meines Bruders und auch durch das Zusammenleben mit Martin hat sich meine Stimmung fast wieder zu der in der Anfangszeit entwickelt. Ich bin zufrieden und freue mich auf den Alltag an im N.V.I. und blicke positiv in die Zukunft und freue mich mit den Erfahrungen, die ich gemacht habe einige kleine Veränderungen dort anzustreben. Ich freue mich darauf wieder früh am Morgen aufzustehen (auch wenn es wirklich früh ist) und meinem Alltag nach zu kommen.
Im Moment kann ich noch nicht sagen, wie sich die Ferienzeit auf die „Teamkonstellation“ meiner Kollegen und mir ausgewirkt hat.
Grundsätzlich würde ich gerne an der Kommunikation innerhalb dieses Arbeitsverbandes arbeiten. Ich empfand es immer als unangenehm, wenn mich Lehrkräfte vor vollendetet Tatsachen setzten, die eigentlich meine Mitwirkung benötigten. Gleichzeitig möchte ich den Mut entwickeln mehr Vertrauen in die Hände meiner Kollegen zu geben, auch wenn ich mich damit verletzbar für Enttäuschungen mache.
In der Vergangenheit war es mir wichtig in Kooperation mit meinen Kollegen zu stehen. Ich habe versucht Schrittfolgen in der Herangehensweise zu besprechen und auch Freiraum für eigenständige Entscheidungen zu lassen. Auch im Bezug auf mich habe ich versucht meinen Kollegen Entscheidungsspielräume zu lassen, um mein Verhalten in der Gruppe zu koordinieren.
Persönlich und auch im menschlichen Zusammensein wäre es mir wichtig ein Gefühl übermittelt zu bekommen, dass ich gewollt bin. Ich bin mit der Vorstellung hergekommen, dass es Menschen gibt, die nach einem Freiwilligen mit Computererfahrung gefragt haben, um zu lernen und sich helfen zu lassen. Das Gefühl habe ich nicht, ich habe das Gefühl, einfach da zu sein und diese Tatsache wird akzeptiert. Allerdings ist es mehr oder weniger egal, ob ich da bin oder nicht.
Die größten Hemmnisse in dieser Gruppe waren oftmals die Interessenlosigkeit. So habe ich z.B. viel Zeit und auch persönliche Ressourcen, wie Internet und Freizeit, darein investiert die beschädigten Computer am Institut zu reparieren. Als dieser Schritt vollendet war und sich niemand darum bemüht hat auf meine Nachfragen die benötigten Passwörter für die Rechner bereit zu stellen, gab mir dies den Eindruck, dass zwar oberflächlich gesagt wird, es bestehe ein Interesse darin, den Unterricht und die Qualität voranzubringen, aber in Wirklichkeit das einzige Interesse darin besteht, den Tag um die Runden zu bringen.
Mit Sicherheit sind mir in der Vergangenheit auch Fehler unterlaufen. Sowohl vermeidbare, als auch unvermeidbare. Als unvermeidbare Fehler würde ich das Verhalten in einem interkulturellen Rahmen sehen. So wurden wohl Erwartungen geweckt und Ansprüche gestellt, die ich erst sehr viel später realisiert habe, und auch nicht erfüllt habe und nicht erfüllen konnte. Durchaus vermeidbare und menschliche Fehler, wie das Vergessen einer Verabredung, oder das nicht einhalten eines Termins um einen Tag, sind mir auch unterlaufen, allerdings sehe ich die als nicht sehr tragisch an, da ich mich zumeist darum bemühe Fortschritte zu erzielen und auch das generelle Interesse vorhanden ist.
Trotz aller dieser Kritikpunkte an meinem Team und auch ein wenig an mir selber kann ich feststellen, dass es einige kleine Fortschritte gab. So habe ich das Gefühl, dass einige der Computerlehrer eine größere Umsicht im Bezug auf Vorbereitung und Planung erhalten haben. Im Vergleich zur Anfangszeit werden sich nun Gedanken darüber gemacht, die Stromversorgung der Rechner zumindest einen Tag im Voraus zu planen, anstatt am selbigen Tag. Auch wird sich um eine bessere Lagerung bemüht, obwohl es in diesem Bezug einige Rückschläge gab…
Bezüglich dieser Rückschläge muss ich mir eingestehen, dass mir persönlich einige Grenzen auferlegt sind und eine davon ist meine begrenzte Geduld. Ich habe versucht den Lehrern das sachgemäße Lagern und instandhalten von Computern näher zu bringen, doch oftmals, wenn ich aus einem Wochenende zurück kam, wurden alle Pläne über den Haufen geworfen, und die Computer und das Zubehör wurde einer Müllkippe gleich wild auf einander gestapelt. Nach mehrmaligen Versuchen habe ich aufgegeben in diesem Bereich Anstrengungen zu unternehmen.
Eine Grenze des Teams ist in gewisser Hinsicht die etwas eingeschränkte Einstellung zu sehr von gemachten Meinungen abzurücken. Einige Lehrer möchten ungerne ihre Unterrichtsmethode verändern und verbleiben bei alt eingespielten Unterrichtsmustern. In der Anfangszeit habe ich diese Art des Unterrichtens angenommen, um an die Schüler heran zu kommen und diese Unterrichtsart verstehen zu lernen. Mittlerweile möchte ich dies nicht mehr fortsetzen und sehe mich nicht im Stande wieder auf die „alt hergebrachte“ Art und Weise zu unterrichten.
Aus diesen und anderen Gründen würde ich meinen Auftrag anders definieren und sehe meinen Auftrag kritisch. Mein Auftrag war es dreierlei Themen zu unterrichten. Als Hauptaufgabe stand das Computer unterrichten, sowie das lehren von Computerreparatur. Nebenbei sozusagen stand auf der Agenda English und Recycling zu unterrichten, welches ich so in Reinform nicht machen möchte. Zu Anfang habe ich meinen Auftrag so gesehen, dass diese Unterrichtsfächer getrennt zu betrachten sind, so habe ich versucht Englisch- Computer- und Recyclingunterrichte zu planen, zu organisieren und durchzuführen.
Der Englischunterricht ist daran gescheitert, dass ich nicht in der Lage war meinen Schülern die englische Sprache vernünftig zu erklären, da ich selber kein Muttersprachler bin, da tut auch die Note im Abi nicht ihr übriges dazu. Recycling Unterricht war mir auch nicht möglich, da ich auf der Suche nach einem angeblichen Umweltunterricht und persönliche Verstrickungen und gegenseitiges ablehnen von Verantwortung für selbigen geraten bin. Meinen Auftrag definiere ich nun so, dass ich versuche meinen Schülern alle drei Fächer kombiniert im Computerunterricht zu vermitteln. Durch das bedienen eines Computers wird die englische Sprache trainiert, da mit mir englisch gesprochen werden muss. Gleichzeitig kann ich Inhalte aus dem Englischunterricht übernehmen, wie z.B. das Schreiben von Briefen, Lebensläufen, Einladungskarten etc. pp. Gleichzeitig bemühe ich mich zurzeit darum den Recyclingpart zu integrieren und möchte mit meinen Schülern beschädigte Elektronikartikel aus ein andere bauen, um die verschiedenartigen Bauteile kenne zu lernen.
Nichtsdestotrotz ist es mir ein Herzensanliegen die Qualität meines Unterrichts beständig zu verbessern und durch neue Inhalte attraktiver zu machen. Es wird sich zeigen, ob ich diesem (hohen) Anspruch gerecht werden kann. Leider kann diesbezüglich kaum auf die Hilfe meines Teams hoffen, da jeder Lehrer, mich eingeschlossen, an seinem eigenen Ding dreht und es selten einmal Absprachen gibt.
Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass ich das Gefühl habe, dass ich für meine Aufgabenbereiche zu Anfang nicht ausreichend qualifiziert gewesen bin. Ich wurde als Computertalent gepriesen und musste damit Erwartungen erfüllen, die zu Beginn nicht zu erfüllen waren. Erst durch anlernen und Nachforschen war es mir möglich mich einigermaßen auf das vorzubereiten, was meinen Alltag ausmacht. Zugegeben hat mir dies viel Spaß gemacht, dennoch habe ich das Gefühl, dass zukünftige Freiwillige einen etwas breiteren und/oder gefestigteren fachlichen Hintergrund benötigen.
Aus der Sommerpause zurück
Jetzt habe ich es geschafft und eine ziemlich lange Zeit ist hier nichts mehr erschienen. Ich weiß garnicht genau, wie lange, aber zwei Monate sind es mit Sicherheit.
Diese Zeit war natürlich nicht ereignislos, ganz im Gegenteil. Es war eine Zeit gespickt mit Wundern, Chaos, Enttäuschungen und einer Menge Lachen.
Darüber möchte ich jetzt schreiben und ich habe auch schon begonnen. Ich plane über den besuch meines Bruders zu schreiben, meinen zweiten Bericht zu veröffentlichen und meine großes Afrikaabenteuer zu beschreiben. Es waren 3542 Kilometer durch Uganda, Kenya, Tansania, Zansibar und Rwanda. Unglaublich und unvergesslich.
Ich bitte euch dabei zu sein, eine Kostprobe durch Bilder und Erzählungen aufzuschnappen und euch einfach dem Mythos Afrika hinzugeben.
Grüße
Alex
Der Mabira Wald.
Wo liegt es das Heiland? Wo liegt es, was muss man tun, um dorthin zu kommen und was kostet es? Braucht es eine reine Seele, einen guten Geist und einen kräftigen Körper? Das sind die Fragen, die sich schon viele Menschen gefragt haben, ich habe einige Antworten für mich gefunden.
Das Heiland Ugandas liegt ungefähr eine halbe Stunde Autofahrt in Richtung Westen, so wahr man denn von Jinja aus losfährt. Wovon ich spreche ist der Mabira Forest. Gelegen im Distrikt „Mukono“ und ist ziemlich groß. 30.000 Hektar. Für mich unvorstellbar, aber man kann ewig und drei Tage in diesem Wald laufen, ohne zwei Mal das Selbe zu sehen.
Dieser Wald wird für Ökotourismus genutzt und man hat die Möglichkeit ziemlich einzigartige Touren mit Guides zu machen, um einiges über Land, Leute, Kultur und die Umgebung zu lernen. Auch für die Politik ist der Wald sehr interessant, denn ebenso, wie der Wald ein riesiger Speicher für CO² ist, so beinhaltet er auch eine unglaubliche Menge Geldreserven, dadurch, dass man ihn abholzen will.
Der Clan der Baganda, welche auf der westlichen Seite des Nils beherbergt sind, glauben, dass der Wald die Seelen der Vorfahren enthält und dass die Seele eines jeden gestorbenen Wesens in diesen Wald einfährt. Leider wurden viele der Kultstätten nicht erhalten und die Eintrittsgebühren auch für Einheimische erschweren den Zugang zu diesem Wald, dennoch sprechen sich große Teile der Bevölkerung für den Erhalt dieses Waldes aus.
Am 22.10.11 waren Nils, Richard (Ein Arbeitskollege von mir) und ich in diesem Wald. Wir sind mit Richards Auto dorthin gefahren und insgesamt war dies eine ziemlich wertvolle Erfahrung, da wir allerhand für uns unbekannten Krams gesehen haben. So z.B. Affen (welche erst 2007 entdeckt wurden, Pilze, Pflanzen, Steine und noch viel mehr.
Wir alle haben uns sehr darüber gefreut, endlich mal wieder frische Waldluft zu atmen. Im gegensatz zu der Stadtluft ist die Luft im Wald richtig heilsam. Der gesamte Trip war wunderschön und hat viel Spaß gemacht.
Danach sind wir nach Lugazi gefahren. Ich möchte diesen Eintrag vielmehr als eine Bildergalerie verwenden. Insgesamt gibt es drei Tourenn durch den Wald. Wir haben die mittlere gewählt und waren gute zwei Stunden unterwegs. Auf der langen kann man bis zu 5 Stunden mit Pausen und Mahlzeiten verwenden.
So Leute ich habe meine Tagebucheinträge aktualisiert. Fleißig lesen, es ist viel passiert. Ich werde nun weitere Artikel schreiben, jedes Thema bekommt einen.
Erster Quartalsbericht 2011
ERSTER QUARTALSBERICHT 2011
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Erkenntnisse
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ALEXANDER PRAEDEL
Sieben Wochen und vier Tage. Das ist die Zeit, welche ich in Uganda verbracht habe. Das ist die Zeit, über die ich in diesem ersten Quartalsbericht schreiben möchte.
Sieben Wochen und vier Tage ist die Zeit, an der ich Uganda, die Menschen und Ereignisse, während meines Aufenthalts beschreiben kann.
Diese Zeit wurde mir bis jetzt gewährt, damit ich wie ein Schwamm das gesehene und erlebte aufsaugen und auf Papier bannen kann, damit ich lerne und lehre.
Wie ein Tropfen brennenden Goldes glüht im Westen die Sonne und rückt jeden Morgen der Schwelle der Welt näher. Und jeder Morgen erscheint mir wie ein Geschenk, welches mir „weltwärts“ gemacht hat.
Während dieser sieben Wochen und vier Tage habe ich vieles gesehen und aufgenommen. Meist, vor allem in der Anfangszeit, wurde ich von Reizen und Eindrücken überflutet und es fiel mir schwer bestimmte Ereignisse klar festzumachen. Ich wurde in einigen Momenten von Widersprüchlichkeiten und unerwarteten Reaktionen überrascht, meist jedoch von unbedingter Freundlichkeit begleitet. So geschieht es öfters einmal, dass mich fremde Menschen ansprechen, um mir ihre Töchter, oder Schwestern anzubieten. Ich kann dies nicht genau bewerten, aber anscheinend geschieht dies aus der Überzeugung, ich wäre in der Lage ihnen eine gute Zukunft zu bieten. Ist dies nun ein Ausdruck von Respekt und Vertrauen in mich? Ich weiß es nicht.
„Ich hatte heute auch öfters das Gefühl mehr aufzunehmen, als ich je wiedergeben könnte.“ – Zitat aus meinem Tagebuch.
Meine Anfangszeit in Jinja und am N.V.I. war dadurch gezeichnet, dass ich mich selbst noch in meine Rolle und meinen Alltag hineinfinden musste. Zu Beginn und mittlerweile immer noch, hatte ich das Gefühl, dass die Kommunikation innerhalb der Schule etwas hinkt. Denn obwohl ich es öfters betont hatte, dass ich in der ersten Zeit die Lehrmethoden kennen lernen möchte, wurde an mir von vielen Seiten gleichzeitig gezogen. Lehrer und Führungspersonal waren sehr eifrig dabei mir Aufgaben und Rollen zuzuschustern, die ich nicht überblicken konnte und denen ich au, zumindest in der Anfangszeit, nicht gewachsen gewesen wäre.
Es war für mich persönlich nicht einfach zu akzeptieren, in welchem Rahmen ich im Vergleich zu den meisten meiner Mitarbeiter wohne und lebe. Im Vergleich zu diesen kann ich mit dem wenigen Geld, welches mir aus Deutschland zur Verfügung gestellt wird, trotz, oder grade wegen, der zurzeit herrschenden Wirtschaftskrise einen (deutlich) höheren Lebensstandard aufrecht erhalten, als viele Lehrer aus meinem direkten Umfeld. Auch wenn mich Lehrer besucht haben oder ich Lehrer besuchte wurde mir bewusst, wie privilegiert ich hier in Uganda bin.
Das ist ein Schock, der sich mir meist durch ein brennendes Gefühl im Bauch bemerkbar macht. Dass ich manchmal geschockt bin liegt auch daran, dass ich in eine multikulturelle Erziehung und Ausbildung genossen habe und das in einem Land mit freier Meinungsäußerung, guter medizinischer Versorgung, Infrastruktur, Wahlrecht, freier Ausbildungs- und Berufswahl etc. Ich habe nie die Erfahrung sozialer Not gemacht. Ich war nie einem korrupten System ausgeliefert und habe Rechte, die durch viele Personen unterstützt werden.
Im Gegensatz dazu stehen viele Menschen aus meiner neuen Umgebung: Das Bildungs- und Ausbildungsniveau ist niedrig, die Löhne reichen meist nicht, sodass viele mehrere Berufe ausüben.
Auf Nachfrage habe ich erfahren, dass viele Menschen, vor allem die Schüler, von Krieg, Unterdrückung, Korruption und Ausbeutung geprägt sind und nun versuchen an dieser Schule ihre alten, stolzen Träume aufleben zu lassen. Viele Schüler werden von nationalen und internationalen Hilfsorganisationen unterstützt und finanziert, da sie aus zerrütteten (Familien)Verhältnissen stammen.
Persönlich habe ich mich dazu entschieden Schritt für Schritt und in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen meine Bedürfnisse zu senken und auf einige Selbstverständlichkeiten aus Deutschland bewusst zu verzichten. Gleichzeitig habe ich einige lokale Besonderheiten zu schätzen gelernt, welche ich versuche an und in mir zu festigen.
Es hat mich einige Mühe gekostet mich in Geduld und Ruhe zu beweisen, denn der Arbeitsalltag und die Arbeitsabläufe in Uganda (zumindest soweit ich dies beurteilen kann) sind sehr verschieden, zu dem in Deutschland. Ich habe versucht mich in zurückhaltender Beobachtung zu üben und denke, dass ich mich dem oben beschriebenen in kleinen aber sicheren Schritten nähern kann und werde.
Glücklicherweise hatte ich Ende September bis zur Mitte des Oktobers mehrere Gelegenheiten, um andere Artefact Freiwillige zu sprechen und mich mit diesen auszutauschen. Die Gespräche mit Freiwilligen aus anderen Entsendeorganisationen und mit Projektpartnern, wie z.B. von „AKU“ aus Lüttchenburg, haben mir sehr dabei geholfen für mich selbst im Bezug auf mein Dasein in Uganda, meine Rollen und Pflichten, meine Projekte und die Erwartungen an mich ins Klare zu kommen. Auch der Kontakt zu meinen Freunden und der Familie, sowie meinen Unterstützern, stellt mir immer mal wieder eine neue Perspektive vor Augen.
Trotz alle dem ist es nicht einfach viele Gegebenheiten von dem Wertesystem, welches einem innewohnt, gelöst zu sehen und sie in einen Ugandischen Kulturrahmen zu setzten. Es passiert mir oft, dass ich Begebenheiten sehe und einfach unbewusst nach europäischen Vorstellungen bewerte und manch ein Mal sogar geringschätzig betrachte.
Vor Allem bin ich mir bewusst geworden, in welchem Verhältnis ich zwischen Schülern und Lehrern stehe. Immerhin bin ich in gewisser Hinsicht sowohl Lehrer, als auch Schüler. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Sozialsystem in meinem Umfeld sehr hierarchisch aufgebaut ist. Personen, welche an der Spitze eines Systems stehen werden sehr oft umgarnt und bedient. Diese Personen können es sich leisten andere „niedrigere“ Menschen zu befehlen und tun dies auch. Es ist für diese Menschen eine Selbstverständlichkeit, dass sie überlegen sind und Privilegien genießen, welche sie nach außen hin gerne zeigen. Die ethische Auffassung, wonach alle Menschen gleich sind, stimmt in Ugannda noch nicht. Nach diesen Vorstellungen, so habe ich das Gefühl, werde auch ich oft bewertet. Meine Schüler nennen mich Master, und das obwohl ich deutlich jünger als die Lehrer und auch meist jünger als die Schüler bin. Und gerade deswegen, spüre ich manchmal einen gewissen Druck, auch durch mich selbst, aktiv zu werden und einen Leitfaden im Bezug auf meine Arbeit zu entwickeln. Dies allerdings in Zusammenarbeit mit meinen Kollegen und in beiderseitigem Respekt. Das dies nicht immer klappt und auch Reibungen provoziert ist selbstverständlich. Selbst, wenn im eigenen System eine neue Arbeitskraft eingegliedert wird entstehen Spannungen. Dies alles wird aber dadurch potenziert, dass ich mich in einem fremden System bewege. Teilweise habe ich das Gefühl zu schwimmen, da eine klare Kommunikation nicht einfach ist und andere Male spüre ich eine gewisse Ablehnung, derer ich mir allerdings nicht sicher sein kann, da meine Kollegen meist ausweichend auf Fragen antworten. Es wäre mir eine große Hilfe, eine für mich verantwortliche Person hier im Land zu haben, welche sich auch in anwesender Form auf mich eingehen kann. Zwar fühle ich mich aus Deutschland nicht alleine gelassen, aber es ist nicht leicht bestimmte Sachverhalte per Email zu klären.
Vor allem das Bewusstsein nicht alleine mit seinen Erfahrungen und Erlebnissen zu sein, sondern, dass es vielen Freiwilligen ähnlich geht, ist eine Quelle der Beruhigung. Vor allen Dingen finde ich es sehr spannend andere Freiwillige im Bezug auf ihre Projekte kennen zu lernen. So kann ich vergleichen, wie andere Freiwillige handeln, warum sie dies tun, und ob ich genauso, oder anders handeln würde. Lediglich der „positive Rassismus“ und die damit verbundenen Rollen und Vorstellungen, die „uns weißen“ zugesprochen werden, welche mir immer wieder begegnet, ist etwas an das ich mich nicht gewöhnen kann und möchte.
In den ersten Tagen erschienen mir Kampala und Jinja als etwas exotisches, Fernes und unbegreifliches. Je mehr ich doch in meinen (arbeits)Alltag, in die tägliche Routine eintauche, desto mehr werden mir Besonderheiten und Eigenheiten meiner neuen Umgebung bewusst. Im Besonderen durch Gespräche mit Mitarbeitern und verschiedenen Menschen, welche ich kennen lernen durfte, werde ich mir darüber zum Teil bewusst, was es bedeutet in der sogenannten „Dritten Welt“, oder einem Land zu leben, dessen Einwohner es selbst sehr oft als „under-developed“ bezeichnen. Doch was genau bedeutet die „Dritte Welt“? Wenn es darum geht, dass kein Geld vorhanden ist, so kann dies nicht die alleinige Charakteristik sein, denn reiche Menschen gibt es hier auch. Es ist vielmehr eine Strukturelle und organisatorische Armut und die Kluft, die viele Menschen voneinander trennt. Arm ist auch, wer sich nichts für die Seele kaufen kann. Wer nicht in Würde und Selbstbestimmung in der Gesellschaft leben kann.
„Ich habe auch Bettelkinder gesehen. Es war offensichtlich, dass sie aller ihrer stolzen träume beraubt, nur noch das Überleben an sich klammerten.“ – Zitat aus meinem Tagebuch.
Es liegt wohl an der Infrastruktur vielerlei, als auch an der Organisation und Verteilung der Mittel und Rohstoffe. Viele Menschen sehen sich auch ohnmächtig den Gegebenheiten gegenüber und sehen keine Möglichkeit sich daran zu wagen, diese zu ändern, da sie ihre gesamte Kraft darauf verwenden müssen ein Einkommen zu bestreiten. Die Möglichkeit an sichere Informationen zu kommen, steht nur einem kleinen Teil der Bevölkerung zur Verfügung und einen geregelten Staatsapparat zur aktiven Teilnahme an der Gesellschaft findet man meist nur in großen Städten. Korruption und die Bevorzugung von Personen aus dem eigenen Kultur und der eigenen Clanwelt verhindern oftmals Fortschritt, oder das Besetzen von Arbeitsplätzen mit qualifiziertem Personal. Auch wenn man dies alles in dem Historischen und kultureigenen Verständnis betrachten kann, dass eine „hohe“ Person in einem angesehen Amt angehalten ist möglichst viele Personen aus seinem Umfeld mitzuversorgen, und es aus unserem Europäischen Sichtfeld einfach zu kritisieren ist, da unsere Gesellschaft individualistisch aufgebaut ist und das Individuum mit seinen persönlichen Qualitäten der Beziehungsebene überwiegt, so bleibt Korruption was es ist und Bestechung, Betrug und Verrat verachtenswert. Im Allgemeinen lässt sich dies an einer Vielzahl von Gegebenheiten und Ereignissen festmachen, die alle aufzuzählen zu müßig wäre.
Und auch trotz dieser aller Gedanken muss ich feststellen, dass ich mich an vieles, das ich sehe gewöhnt habe und oft, wenn ich im Fernsehen die „Westliche“ Welt sehe, dieser perplex gegenüber stehe.
Ich wundere mich oftmals darüber, was als wichtig empfunden wird und wie man auch teilweise mit dem Thema Afrika umgeht. Jetzt, da meine neue Umwelt ugandisch, afrikanisch ist, habe ich den Eindruck, dass viele Dokumentationen und Berichte ein wenig oberflächlich sind. So haben Arne, Nils und ich den Film „Long Way Down“ gesehen, in dem zwei Filmstars durch Europa und Afrika fahren. Es schien mir, dass sie nicht wirklich daran interessiert waren einen tiefen Eindruck der Länder und Menschen zu gewinnen (dafür reichte die Zeit in keinem Falle, da sie viel und lange gefahren sind und nie lange an einem Fleck blieben) und stets in einem europäischen Umfeld, in einer Art Stase, geblieben sind. Zwar konnten sie sich der Landschaft ein wenig bewusst werden, auch der Infrastruktur, und wie die Länder aussehen, doch ein stetiger und wahrhaftiger Austausch mit den Einheimischen fand nicht statt.
Doch welche Vorstellungen auch immer ich selbst von Uganda und Ostafrika hatte, bevor ich hierherkam, die meisten haben sich nicht erfüllt, oder sind in anderer Form aufgetreten. Zugegebener Maßen erscheinen mir die Vorstellungen, welche ich in Deutschland noch hatte, sehr weit entfernt und auch nicht klar umrissen. Jedoch bin ich mir darüber bewusst geworden, dass ich eine doch recht törichte Auffassung von dem hatte, was Uganda ist. (Obwohl ich nur einen winzigen Bruchteil des Ganzen bisher kennen gelernt habe).
Manch ein Mal denke ich mir, dass ich wie zufällig in das Leben dieser Menschen geworfen wurde. Ob ich nun da bin oder nicht, ob es mich interessiert, oder nicht wie diese Menschen hier leben, hoffen, leiden etc. nach einem Jahr bin ich weg aber alle Menschen hier bleiben in ihrem alten Leben verhaftet. Die Menschen hier, auch wenn sie mich unglaublich freundlich begrüßten, haben nicht auf mich gewartet. Dennoch liegt es an mir meinen Aufgaben gerecht zu werden und in Kooperation mit meinem Umfeld zu wirken. Ich werde mich bemühen ein möglichst gutes Medium zu sein, um Uganda näher zu kommen. Sowohl durch Informationen und auch Gefühle und Verhalten.
Grundsätzlich gesprochen bin ich mit meinem Aufenthalt sehr zufrieden und das neue Leben, in das ich mich gestürzt habe passt mir sehr gut und ich kann hier jeden Tag genießen.
Große Freude bereitet es mir und auch meinen Mitarbeitern die Lokalsprache Luganda zu erlernen. Ich habe es mir mit einem Lehrer zur Gewohnheit beim Mittagessen neues zu lernen und altes zu wiederholen. Ich fühle mich schon recht sicher im Umgang mit der Sprache. Auch wenn mir noch einige Verben und Nomen fehlen, so kann ich Preise in Luganda verhandeln und mich einige wenige Minuten unterhalten.
Diese Art von Unterricht macht es mir auch leichter Bräuche und Gewohnheiten der Menschen hier kennen zu lernen. Ich war am Anfang meines Aufenthaltes von vielen Gesten und auch von der Art des Umganges miteinander verwirrt und teilweise auch frustriert. Allerdings habe ich zu verstehen gelernt und diese andere Form des Miteinanders akzeptiert. Ich habe viel über Tradition und Bräuche, und der Schwierigkeit diese mit der Moderne zu verbinden, gelernt.
So gibt es einige Gesten welche in meinem Umfeld oft verwendet werden die für einen Deutschen manch ein Mal entweder als Aggression, oder als Annäherungsversuch gedeutet werden können.
Und mitten in diesem Ganzen stehe ich, als Freiwilliger, welcher bereit und gespannt darauf ist, die neue Kultur in sich auf zu nehmen und so gut es eben möglich ist zu helfen und zu verstehen.
Die Lehrerschaft am NVI:
Ich bin nun fast einen ganzen Monat am NVi und habe die Möglichkeit gehabt hier und dort einen Einblick zu gewinnen und so möchte ich einmal eine vorsichtige Einschätzung der Situation geben.
Genauso, wie es ganz viele unteschiedliche Menschen gibt, so sind auch die Lehrer an meinem Institut ganze verschieden. Mal abgesehen davon, dass es hier kleine und große, dicke und dünne, alte und junge, freche und viel, viele lustige gibt und die Persönlichkeiten an sich natürlich alle ein wenig, manchmal auch ganz verschieden sind, so unterscheiden sich die Unterrichtsmethoden doch meist gewaltig. Es gibt in der Regel zwei Arten von Lehrern hier, oder zumindest habe ich das so erlebt. Die Hard- und die Softliner.
Die Softliner unterscheiden sich nicht viel von den meisten Deutschen Lehrern. Die Softliner versuchen die Namen und Gesichter der Schüler zu lernen und auf das Verhalten jedes einzelnen einzugehen. Sie versuchen die Schüler zu motivieren und auch anzuspornen, etwas zu lernen, indem sie den Unterricht lustig und auch spannend gestalten. Es gibt hier auch viel Frontalunterricht aber zumindest werden die Schüler angehalten Sachverhalte selber zu lösen und Ideen zu entwickeln anstatt ihnen ein vorgekaute Lösungen zu präsentieren. Hier werden auch unbekannte Wörter diktiert und erklärt. Meistens entwickelt sich ein Unterrichtsfach (jedenfalls würde ich das ganze so einschätzen) so, dass die Schüler und Lehrer ein gutes, freundschaftliches Verhältnis zu einander haben und sich zumindest nicht ärgern in den Unterricht zu gehen. Ich habe meistens erlebt, dass die Schüler mit einem Lächeln den Raum verlassen haben und dass auch noch ein zwei Tage nach dem Unterricht von dem einen oder anderen Thema oder Fach gesprochen wird.
Kurzum dieser Lehrer, oder diese Lehrerin ist meist ein angenehmer Zeitgenosse. Geschenkt.
Die Hardliner allerdings stehen dazu diametral im Kontrast.
Der Hardliner macht sich weder die Mühe an den Namen der Schüler zu erinnern, für ihn ist jeder Schüler einfach nur „this one“, oder „that one“. Auch ist es vergebens den Lehrer nach einem Gespräch oder an ein Versprechen des Lehrers zu erinnern, denn diese Spezies von Lehrer versteht es meisterhaft sich jegliche Persönliche Ebene vom Leib zu halten und vergisst alles im Bezug auf die Schüler, sobald der Klassenraum verlassen wurde.
Meistens reagiert ein solcher Lehrer auf Fehler von Schülern nicht mit aufmunternden Worten, sondern meist nur durch Spottworte und dem blamieren des Schülers, der Schülerin vor der ganzen Klasse. Ich habe es schon öfters erlebt, dass die Lehrkraft eines der folgenden gesagt hat:
„This one is making the same mistake again. I dont know what you are doing. Are you having a brainmelt? This one is as easy as feeding a baby. I wonder why you are too dumb to follow my instructions”
Ein wirklich beliebtes Mittel einiger weniger Lehrer ist es die Schüler bei Missverhalten mit „caning“, also der Prügelstrafe zu „unterhalten“; nebst dessen, dass die Prügelstrafe gesetzlich verboten ist…
Nun also ist es kein Wunder, dass die Schülerschaft hier meist eine lange Lippe zieht und dann auch weniger im Unterricht gelacht wird.
Der Lehrer fasst seine Sprüche meist scherzhaft auf und weiß gar nicht, was daran eigentlich missfallen könne. Im Übrigen, wird auch immer wieder wiederholt sei es die Schuld der Schüler, wenn sie dieses oder jenes nicht verstehen würde. Immerhin könnten sie ja, wenn sie (die Schüler) wollten genug üben.
Fakt ist aber, dass der Lehrer meist eine halbe Stunde nach Unterrichtbeginn erst erscheint, und auch überzeitig (10 Minuten vor Schluss) den Unterricht beginnt. Dazu kommt noch, dass die Schüler nur einmal in der Woche einen Computer zu sehen bekommen.
Der Unterricht wird meist in Form von Frontalunterricht gestaltet. Nun was bedeutet das überhaupt, denn ich habe es am Anfang auch nicht versanden?
Frontalunterricht bedeutet hier, dass der Lehrer vorne steht und den Schülern den zu lernenden Sachverhalt diktiert. Jedoch wird von diesen Lehrern meist außen vor gelassen, dass der Stand der Englischkenntnisse meist sehr unterschiedlich ist. Einige können gut Englisch sprechen, andere wiederum können leidlich kommunizieren. So ist es auch kein Wunder, dass viele Schüler Wörter, wie „Data processing unit“, „Black Box“, „Certification board“ und derer gleichen mehr noch nie in ihrem Leben gehört haben, es nicht einmal für möglich gehalten haben, dass solche Worte existieren. Meistens aber scheitern viele Schüler schon an ganz anderen, eher einfacheren Wörtern. So bin ich grade dabei einem Haufen von ungefähr 100 Schülern den Unterschied zwischen Links und Rechts beizubringen, ihnen verständliche Synonyme für z.B. „Insert“, „Chart“, „Average“, etc. näher zu bringen.
Meistens stoße ich bei Nachfrage bei einigen Lehrern auf ein Hindernis, wenn ich z.B. nach einer guten Definition für „Average“ frage, da dies auch nicht einfach auf Englisch zu erklären ist. Vielleicht wissen die es selber nicht. Keine Ahnung.
Nun steht also die Lehrkraft vorne und rattert einen englischen Text viel zu schnell runter und die Schüler fragen auch nicht nach, wenn ein Wort falsch, gar nicht oder nur halb verstanden wird. So kommt es vor, dass die Schüler für „the“ einfach ein „e“ schreiben, bei dem sie einen Strich drüber zeichnen. Microsoft Word wird als „microsoty ward“ „waad“, oder ähnliches bezeichnet. Dies ist oft der Fall, wenn die jeweilige Lokalsprache des Schülers bestimmte Buchstaben nicht kennt. So z.B. gibt es einige Sprachen, die kein „R“ haben, andere wiederum kein „L“.
Lange Rede kurzer Sinn: Es kommt oft vor, dass der eine am anderen vorbei redet, beide interessiert es nicht und am Ende wird über beide gemeckert.
Es ist natürlich leicht zu kritisieren und mit Sicherheit findet ihr in meinen Ausführungen die eine oder andere Spitze. Ich bin mir auch dessen bewusst, dass es hier bei weitem nicht annähernd genug Computer gibt, als dass man den Unterricht praktischer gestalten könnte, ohne, dass sich drei Schüler einen Rechner teilen müssen.
Es ist bestimmt auch der Fall, dass einiges hier mit der Kultur und dem Umgang mit Zeit zu tun hat, vieles diesbezüglich verstehe ich auch nicht. Allerdings ist mir aufgefallen, dass oft Time Management gepriesen und hochgehalten wird, es aber eben diese Menschen dann auch sind, die nie pünktlich sind, manchmal gar nicht erscheinen. Es wird auch oft und viel für allesmöglich, wie z.B. die Beschaffung von ausreichend Mobiliar, Gerätschaften und Schulmaterial gebetet, aber der entscheidende wirklich aktive Schritt wird dann meist nicht unternommen… Wie geschrieben, es gibt noch viel, dass ich nicht verstehe.
So dies soll nun also erst mal mein kleiner Einblick sein, mehr wird hoffentlich noch folgen.
Eine kleine Memo an mich selbst, die ich mit euch teilen möchte:
„Ich sollte weniger unfertige Artikel reinstellen“
30 Tage Uganda
Ich bin jetzt nun dreißig Tage in Uganda und die Zeit verging schneller als erwartet. Doch nun ist es für mich an der Zeit Fragen zu stellen. Zu reflektieren.
Was habe ich gesehen, was nicht? Was habe ich erwartet, was ist schließlich eingetreten und was nicht? Was habe ich glücklich erwartet, das dann auch eingetreten ist, was ist glücklicherweise ausgeblieben? Was ist gut und schlecht, falls sich das sagen lässt? Wie sieht der Alltag aus, was ist das besondere? Was ist gleich und was ist anders?
Im Allgemeinen und in den Details bin ich mit meinen Aufgaben und meinem Alltagsleben zufrieden. Im Moment fesselt mich der alltägliche Wahnsinn, das wahnsinnig alltägliche. Ich möchte versuchen meinen Aufenthalt hier einigermaßen chronologisch zu gestalten, was mir allerdings nicht so einfach fällt, da es natürlich wichtigere und unwichtigere Ereignisse gab, welche in unterschiedlicher Weise versuchen ihren Weg in meinen Blog, in die Welt, zu euch nach Hause ins Wohnzimmer zu finden.
Über die Ersten Tage in Kampala habe ich schon geschrieben, deswegen möchte ich mich hier auf etwas anderes konzentrieren. Da ich noch nichts über meine Einsatzstelle, „meine“ Schule erzählt habe, werde ich das jetzt hier nachholen:
Ich arbeite am „Nile vacational Institute“. Vocational bedeutet beruflich, das Institut ist eine private Berufsschule. Sie befindet sich in Jinja, meinem neuen Zuhause, meine Heimat liegt dennoch in Hamburg. Seit 1988 existiert diese von der Evangelischen Kirche gegründete Organisation, mit dem Ziel Krisen- und Katastrophenkindern und Jugendlichen eine neue Perspektive für die Zukunft und das spätere Berufsleben zu geben. Die meisten Schüler stammen aus Familien in denen mindestens ein Elternteil verstorben ist, meistens an dem Völkermörder AIDS. Auch finden sich unter den Schülern ehemalige (Kinder)Soldaten, Vollwaisen, Jugendliche aus einem Hintergrund (Sexueller)Misshandlung und lieblosen Haushalten. Zu Anfang gab es drei verschiedene Berufsausbildungen, der Elektroinstallation, der Klempnern und der Catering. In den ersten Jahren hatte die Schule lediglich 44 Schüler, doch mit den Jahren, der Unsterstützung, auch von Außerhalb und vielen Freiwilligen ist die Anzahl der Schüler auf mittlerweile 1300 gewachsen und nun wird auch unter anderem Englisch, Computer, Schreiner- und Tischlerei, Automechaniker und Mechatroniker, Hairdressing und Swahili unterrichtet.
Das Alter der Schüler variiert von 16-30 Jahren. Viele Schüler sind älter als ich, was die meisten nicht davon abhält einen fast demütigen Respekt vor mir zu haben und alle nennen die Lehrer „Master“, welches mir unangenehm ist und ich die Schüler bitte nicht zu tun.
Die Schüler bleiben, wie es für eine Boardingschool üblich ist meistens für vier Monate auf dem Schulgelände, welches sie bis auf an den Wochenenden nicht verlassen können und konzentrieren sich so gut es geht auf die Unterrichte und die neuen, teils für sie völlig neuen Lerninhalte. Und mitten in diesem Ganzen stehe ich, als Freiwilliger, welcher bereit und gespannt darauf ist, die neue Kultur in sich auf zu nehmen und so gut es eben möglich ist zu helfen und zu verstehen.
Ich persönlich bin im Bereich Computer und Englisch untergebracht, im Allgemeinen in der Business-Section. Meine Kollegen, die anderen Lehrer bei mir an der Schule sind unglaublich freundlich und haben mich prima aufgenommen. Im Großen und Ganzen habe ich das Gefühl, dass man in Uganda echt schnell ankommen kann und eigentlich ohne Probleme aufgenommen wird.
Ein normaler (falls das überhaupt möglich ist) Arbeitstag beginnt für mich um 6:45. Nach dem Aufstehen dusche ich schnell unter kaltem Wasser und ziehe mich dann an. An der Schule herrscht schon ein gewisser Dresscoat und so kleide ich mich, auch wenn es noch ungewohnt und für mich unangenehm ist, in afrikanische Schlips und Kragen. Danach gehe ich ohne Frühstück aus dem Haus. Frühstück gibt es deswegen nicht, weil wir hier keinen Kühlschrank haben (was bei den ganzen Stromausfällen auch ein wenig schwierig wäre) und noch morgens zu kochen zu stressig wäre. Nun begebe ich mich auf meinen kurzen Fußweg zur Haltestelle an der der Schulbus hält, der mich und andere Lehrer und Schüler von der Stadt zur Schule bringt, die ein wenig außerhalb liegt.
Die Fahrt dauert ungefähr 15 Minuten, wobei es über unzählige Schlaglöcher, Geschwindigkeitshubbel, den Nildamm und Militärposten geht. Wenn ich um ca. Zehn vor Acht in der Schule angekommen bin, geht es meist gemütlich in Richtung Business-Section, um erst ein Mal anzukommen und dann langsam den Unterricht ein wenig vorzubereiten. Dienstags gibt es immer Morgens den Chappelservice, so etwas wie eine Morgenmesse, welche mir viel Spaß macht, da sie eher einem Rockkonzert gleicht. Freitags gibt es morgens eine Assembly, eine Vollversammlung, um die Schüler über Nachrichten (meistens Gaddafi) und allgemeines zu informieren.
Mein Stundenplan sieht so aus, dass es immer zweistündigen Unterricht, welcher von 11 bis 11:30 für den Breaktea und von 13 bis 14 Uhr für das Mittagessen pausiert wird. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Unterricht ausfällt, ich was anderes zu tun habe, oder machen möchte und so ist der Arbeitsalltag recht entspannt, wenn auch recht anstrengend.
Auch wenn mir die Schule sehr gefällt und ich viel Spaß mit den Schülern und Lehrern haben kann, ich bin ja irgendwas zwischen diesen Beiden, gibt es dennoch einige Probleme, vor denen die Schule steht. In Uganda herrscht zur Zeit eine Wirtschaftskrise, so hört man es überall und zu jeder Zeit, jeden betreffe und die Preise jeden Tag ansteigen lasse. So ist es nicht verwunderlich, dass jeder versucht auf möglichst vielen Wegen Geld zu verdienen, seinen Enthusiasmus für unbezahlte, ja ehrenamtliche Arbeit zurückhält. Deswegen haben alle Klassenräume zu wenig Möbel, wie Tische und Stühle (manche sogar keine), Werkzeug zum lehren und lernen ist zu wenig vorhanden, (meistens teilen sich drei Schüler ein Werkzeug, oder Computer), das Essen wurde von vielfältiger Auswahl und sogar ab und zu Fleisch auf Pocho mit Bohnen reduziert. Die Lehrer fordern 100 – 300% mehr Lohn, teilweise wird gestreikt. Die Makerere Universität in Kampala, an der auch ein Artefact Freiwilliger seine Tage verbringt, ist geschlossen, die Studenten haben Revoltiert, das Militär ist mit Wasser- und Farbwerfern angerückt und hat die Studenten, die die Uni besetzt haben raus geprügelt.
Vor zwei Wochen haben die Ferien aufgehört und so strömen die meisten der 1300 Schüler in der letzten und dieser Woche zur Schule, um sich einzurichten. Viele der Schüler können die 400.000 Schilling (100€) Schulgebühren, welche für vier Monate bezahlt werden müssen, nicht mehr bezahlen und einige kommen mit dem Geld, das sie zusammentreiben konnten zur Schule und fragen, sie mit der Summe, die sie mitbringen trotzdem aufgenommen werden.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Regierung versucht das Schulsystem zu erneuern, wobei dies in einer Hau-Ruck Aktion geschehen soll, die die meisten Lehrer und Schüler überfordert.
Um vier Uhr ist dann Schluss, wobei die Lehrer noch dort bleiben, um für Fragen und Nachbereitung zur Verfügung stehen, die eigentlich nicht in Anspruch genommen werden. Um 17.15 steige ich wieder in den Bus, der mich an meine Haltestelle bringt und so bin ich meistens 17:30 zu Hause.
Danach heißt es Wäsche waschen, einkaufen und kochen, sodass ein normaler Tag meist um 21 Uhr endet, wenn es schon zwei Stunden dunkel ist, und die Grillen vor sich her Summen, die Hunde durch die Straßen streifen und – so hört man – die Gangster in die Schatten schlüpfen.
Wenn wir kochen, dann versuchen Nils, mein Mitbewohner und ich meistens einfach und trotzdem schmackhaft zu kochen. Da wir den ganzen Tag über mit dem recht einfachen und faden Ugandischen Essen konfrontiert sind, und man seine Europäische Haut nicht so einfach und schnell ablegen kann, gibt es meistens Reis, oder Nudeln. Wenn wir keine Lust haben selber zu kochen, dann gehen wir eben runter in die Stadt, welche keine 5 Minuten Fußweg entfernt ist und kaufen uns Rolleggs. Diese bestehen aus einem Mehlpfannkuchen, dessen Teig nur aus Mehl und Wasser besteht, und einem Omelette, welches darin eingerollt wird. Auch wenn das Straßenessen nicht den deutschen Hygienestandards entspricht, und es mit am Anfang Magenprobleme bereitet hat, so ist es doch umso schmackhafter und vor allem günstig. Man kann sich hier vier dieser Rolleggs für etwas mehr als einen € kaufen, von denen man restlos satt wird. Und dabei passiert es, das man schnell die Lokalsprache Luganda lernt. Mittlerweile kann ich schon verhandeln, um nicht mehr mit den Preisen über den Tisch gezogen zu werden. Ich hab die eine oder andere Floskel und Begrüßung drauf und kann mich für das nötigste unterhalten.
Aus meinen Tagebucheinträgen könnt ihr die eine oder andere Antwort auf die Fragen finden, die ich mir zu Anfang dieses Textes gestellt habe, da dieser Fließtext einen eher informativen Charakter hat.
Soviel für den Moment, ich werde morgen, am Sonntag eventuell mehr berichten.
Obulamu Bulungie
Waiswa
Matatu und Boda – Massentransport in Uganda.
Das Matatu:
Das Matatu ist ein Massentransportmittel. In anderen Ländern heißt es auch gerne Dala-Dala, oder Taxi. Ich persönlich nenne es gerne das letzte Gebet Gottes. Wer in diesem Ding fährt hat eigentlich nichts zu befürchten, es kann ihm, oder ihr nur noch besser ergehen.
Das Matatu ist meistens ein Minivan von Toyota oder Huso, und egal von welcher Marke es ist, es sieht immer gleich aus. Ein weißer Minivan mit blauen Streifen. Ihr fragt euch nun bestimmt warum diese Dinger so gefährlich sind. Es liegt einfach an dem technischen Zustand der Wagen. Es gibt keinen einzigen, der nicht furchtbar zerbeult ist und nicht einer ist nicht bis aufs unkenntliche verrostet. Die Brems- Licht und Sicherheitsanlagen spotten jeder TÜV Norm. Es gibt keine Sicherheitsgurte und wenn werden sie nicht angelegt. Allerdings muss und kann man sich glücklich schätzen, diese Wagen sind „licensed to carry 14 passengers“ . Das bedeutet, dass in einen Wagen, in den bei „normalen“ Verhältnissen 8 Personen hineingepasst hätten werden nun noch weitere vier bis sechs Menschen hineingestopft und dabei ist der Fahrerund der Conductor außen vor.
Allerdings ist das Matatu eine sehr sympathische und vor allem günstige Methode voran zu kommen. (Bequem sind die Sitze manch ein Mal auch, wenn man Glück hat.) Man lernt Land und Leute kennen, kann seine Sprache verbessern – naja eigentlich muss man es – und erlebt noch so die eine oder andere abenteuerliche Situation.
Besonders im Gedächtnis ist mir geblieben, als der Fahrer einmal ein anderes Fahrzeug überholt hat, als auf der Gegenfahrbahn ein riesiger Lastwagen auf uns zugeheizt kam und es der Fahrer grade noch so in die Lücke geschafft hat.
Tja und damit wäre ich auch schon beim zweiten Sicherheitsrisiko: Den Fahrern. Grundsätzlich gibt es in Uganda soetwas, wie Fahrstreifen oder Fahrbahnbegrenzungen nicht. Es gibt halt ne asphaltierte Strecke, oder halt ne Dreckpiste. Und dort versucht jeder mit allen Mitteln unbedingt schneller zu sein, als jeder andere. Es ist wohl auch so, dass die Meisten Fahrer keinen Führerschein haben, der auch ziemlich teuer ist. Mit 100.000 bis 150.000 UGX /=, also ungefähr 25-40€ (ein Lehrer verdient 200.000 UGX/= im Monat) ist dies ein Luxus, den sich die meisten nicht leisten können. Deswegen fahren die Leute hier auch extrem waghalsig. Überholmanöver sind erstens viel zu schnell, zu nah an anderen Verkehrsteilnehmern – man teilt sich immerhin eine Fahrbahn mit Autos, LKW, Fahrradfahrern, Fußgängern, Motorrädern und Rollstuhlfahrern. Und alle sind verrückt. Es kann gut sein, dass der Fahrradfahrer vor dir aus unerfindlichen Gründen auf einmal eine 180 Grad kurve nach rechts macht und voll in den Gegenverkehr braust
Wichtig hierbei ist zu beachten, dass man versuchen sollte, sich nicht verarschen zu lassen. Einem Muzungu wird gut und gerne das Doppelte bis das sechsfache des eigentlichen Preises abgeknöpft. Für uns immer noch sau billig. Hier gilt es einfach ein paar Sätze auf Luganda zum Thema Verhandeln drauf zu haben und schon bekommt man einen einigermaßen ordentlichen Preis.
Das Boda-Boda:
Entstanden ist der Begriff Boda-Boda , als Uganda sich von der Englischen Fessel befreit hat. Damals sind dann viele Leute an die Grenzen geströmt und haben ihre Fahrräder zu Transportmitteln umgebaut. Man hat einfach auf den Gepäckträger einen Sitz geklatscht und angeboten Leute an, oder über die Grenze in ein benachbartes Land zu bringen. Damit das auch jeder mitbekommt ist es noch genauso wie heute, da stehen dann dutzende Menschen und schreien, oder versuchen es zumindest, „Border-Border-Border“, welches sich dann mit einem afrikanischen, oder ugandischen Akzent wie „Boda-Boda-Boda“ anhört.
Das Boda-Boda ist heute aber meist ein Motorrad einer chinesischen, oder Indischen Massenfertigung und meistens in einem ähnlichen, oftmals schlechteren Zustand, als die Matatus. Deswegen nenne ich die Teile für mich selbst oft den „Weg der Rechtschaffenen“. Wer riskant fahren will, fährt Matatu. Wer dumm ist fährt Boda. Und trotzdem machen es alle, ich habe es selbst getan und finde es großartig!
Gleichzeitig fungiert das Boda auch als Transportmittel für alles. Ich habe schon Betten, Kühlschranke, Kühe, Ziegen, Körbe, Gitterkonstruktionen, Fensterahmen, Tore, Türen, Kanister, Bananenstauden, 5 Menschen und alles Mögliche andere auf denen gesehen.
Dieses Gefährt ist nur denen zu empfehlen, die felsenfest davon überzeugt sind, dass sie nicht tiefer fallen können, als in die Hand Gottes und glauben, dass Gottes Hand sie beschützen wird. Immerhin werden 75% aller Unfälle von Bodafahrern begangen und danach sehen Fahrer und Gast meist aus wie chunky-salsa. Wunderlich ist auch, warum hier kaum ein Bodafahrer einen Helm trägt. Ich habe keine empirische Studie durchgeführt, aber gefühlt tragen neun von zehn Fahrern keinen Helm. Meist entweder nur eine Stoffkappe oder mal ne Brille wegen dem Staub. Ich suche mir meine Bodafahrer bei den wenigen Gelegenheiten, bei denen ich sie brauche nach folgenden Kriterien aus:
Älterer Herr (weil dieser sich nichts mehr beweisen muss und keine Stunts abzieht)
Helm (Er weiß, dass es gefährlich ist, liebt sein Leben und beschützt es)
Gibt in seiner Bikergang nicht an, wenn er am Straßenrand steht.
Meistens lasse ich dem Fahrer dann auch unmissverständlich klar werden, dass es keine Kohle gibt, wenn Muzungu (das bin ich, der weiße) sich unwohl fühlt, wenn er zu schnell und oder zu riskant fährt, oder wenn er versucht mit seinen anderen Kollegas ein Rennen zu veranstalten. Dann gibt es ein klares „Mu maaso awo!“ (halt an!) und dann ab und weg! Manch ein Mal sieht man sogar einen Bodafhahrer freihändig fahren.
Auch hier gilt es im Vorfeld einen guten Preis abzumachen, denn grundsätzlich ist das Boda teuerer (ungefähr 30%), als ein Matatu. Dafür ist es auch spannender und schneller. Als ich am ersten Tag in die Schule gekommen bin habe ich 4000UGX/= bezahlt, um von Zuhause aus zur Schule zu kommen. Ein fairer Preis währe 1500 UGX/= gewesen. Tja da zahlt es sich aus, wenn man die Sprache lernt J

































































